Jesus spricht zu Thomas: Weil du mich gesehen hast, darum glaubst du? Selig, die nicht sehen und doch glauben! Johannes 20,29
„Wer’s glaubt, wird selig.“ Für heutige Ohren hat dieses Sprichwort einen ironischen Beiklang. Die Worte Jesu klangen für Thomas vermutlich wie eine liebevolle Herausforderung, eine Challenge: „Selig, die nicht sehen und doch glauben.“
Als der auferstandene Jesus seinen Jüngern erschien, waren alle dabei. Nur Thomas nicht. Die anderen Jünger erzählten ihm, wie Jesus trotz verschlossener Türen plötzlich bei ihnen war. Wie er sie grüsste mit: „Friede sei mit euch!“ Wie er ihnen seine durchbohrten Hände und seine Seite zeigte. Wie er ihnen den Heiligen Geist zuhauchte. All das hatte Thomas dummerweise verpasst. Ausgerechnet Thomas, der nur glaubte, was er sah. Seine Reaktion fiel entsprechend aus: „Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmale sehe und lege meinen Finger in die Nägelmale und lege meine Hand in seine Seite, kann ich’s nicht glauben (Johannes 20,25).“
Nur glauben, was man sehen und anfassen kann? Dabei gibt es so vieles, das dem menschlichen Auge verborgen bleibt. Rund 25% des Universums bestehen aus einer unsichtbaren, sogenannten dunkeln Materie. Auch die wirklich wichtigen und bleibenden Dinge im Leben wie Glauben, Hoffnung und Liebe sind für unsere Augen nicht immer sichtbar. Zum Glauben lesen wir im Hebräerbrief 11,1: „Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht dessen, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.“
Jesus wünschte sich von Thomas keinen blinden Glauben. Das sehen wir daran, wie Jesus acht Tage später den Jüngern – diesmal mit Thomas – nochmals erschien. Thomas durfte seine Finger in die durchbohrten Hände und seine Hand in die Seite von Jesus legen. Diesmal reagierte Thomas mit einem Glaubensbekenntnis: „Mein Herr und mein Gott!“ Für die Zukunft wollte Jesus Thomas ganz einfach ans Herz legen: „Vertraue mir. Auch wenn du mich nicht sehen kannst, bin ich bei dir. Ich schenke dir die Fülle des Lebens. Ich helfe dir.“
Mit diesen Gedanken wünsche ich Ihnen frohe Ostern.
Pfr. Matthias Baumann