Warum sprach Jesus in Gleichnissen?
Im ersten Jahrhundert lebten die Menschen in einer Welt, die von einfachen Bildern geprägt war. Felder, Häuser, Olivenbäume, Hirten und Schafe. Jesus wusste, dass diese alltäglichen Dinge das Herz eines Menschen schneller berühren als komplizierte Erklärungen. Deshalb sprach er in Gleichnissen. Ein Gleichnis war wie ein kleines Fenster, durch das man einen größeren geistlichen Raum sehen konnte.
Viele Zuhörer konnten weder lesen noch schreiben, doch sie kannten den Boden, den Regen, den Wind und das Leben der Tiere. Wenn Jesus von einem Hirten, einem Samen oder einer Lampe sprach, fühlten die Menschen sich sofort angesprochen. Die Bilder waren vertraut, jeder konnte sie verstehen. Ein Gleichnis war sanft, es drängte niemanden. Es öffnete die Tür weit, aber niemand wurde hineingestoßen. Wer hören wollte, hörte, wer weitergehen wollte, konnte weitergehen.
Jesus gab dem Herzen eines Menschen Raum, sich zu öffnen, ohne Druck, ohne Zwang, ohne Hast. Die Jünger fragten Jesus manchmal, warum er nicht einfach direkt sprach. Doch Jesus wusste, dass ein Gleichnis den Geist ruhig macht. Es lässt den Menschen nachdenken. Es führt ihn langsam zu einer Wahrheit, die er selbst entdecken darf. Eine Wahrheit, die man selbst findet, bleibt länger im Herzen. So wurden die Gleichnisse zu einem Geschenk.
Einfache Worte, die tiefes Leben tragen, und auch heute, wenn wir sie hören, spüren wir dieselbe Ruhe. Die Bilder sind alt, doch die Botschaft ist lebendig. Jedes Gleichnis lädt uns ein, still zu werden und und dem Klang der Weisheit zu lauschen
Kleine Predigtreihe von Pfr. Iwan Schulthess
02. August 2026: Gleichnis vom Senfkorn – Matthäus 13,31-32
16. August 2026: Gleichnis vom Sauerteig – Matthäus 13,33
06. September 2026: Gleichnis vom Schatz im Acker – Matthäus 13,44